Von Ulan Bator nach Irkutsk

Um 14.00h wurden wir gestern von unserem Tourgide Uzzi und dem Fahrer vom Hotel in Ulan Bator zum Bahnhof gebracht.

Überraschung 1: Der Zug besteht nur aus 5 Waggons. Überraschung 2 : Unser 1 Klasse Waggon hat insgesamt 2 Fahrgäste, Kevin und mich. Überraschung 3: Einen Speisewagen gibt es nicht, nur Snacks von Nathalia, unserer Waggonschaffnerin. Die leeren Abteile dürfen wir nicht mitbenutzen, aber jeder von uns hat sein eigenes WC mit Waschbecken. Das Coronavirus macht sich halt bemerkbar, der Zug wird statt in Beijing wg der geschlossenen Grenze erst in Ulan Bator eingesetzt. Auch in den anderen Waggons befinden sich nur wenige Fahrgäste. Auf die Sekunde pünktlich geht es los und kurz nach Verlassen der Hauptstadt schaukeln wir auf ausgefahrenen Gleisen gemächlich durch eine sehr schöne Hügellandschaft. Kurz vor 22.00h erreichen wir den mongolischen Grenzbahnhof. Jetzt beginnt eine ganz besondere Inzenierung. Den Anfang macht unsere Schaffnerin Nathalia, die in unserem Abteil erscheint, dass Rollo herunter zieht und die Vorhänge zu zieht (die Vorhänge machen wir gleich wieder auf, bisschen was wollen wir ja sehen).

Unser Luxusabteil
Abfahrt aus Ulan Bator

So sehen wir,wie auf dem Bahnsteig ein halbes Dutzend Offizieller, verteilt über die gesamte Bahnsteiglänge, den einfahrenden Zug salutierend in Empfang nimmt. Als erstes erscheint bei uns im Abteil , eine Beamtin mit einem elektronischen Fiebermessgerät, danach werden unsere Pässe eingesammelt. Danach heisst es erst einmal warten. Höhepunkt der ganzen Veranstaltung ist dann die Zollkontrolle. Eine Kontrolle findet dabei eigentlich nicht statt, wir müssen nur bestätigen, dass wir aus England bzw. Deutschland stammen. Danach wird mit einer schwungvollen Geste ein Kugelschreiber aus der Uniform gezaubert und unser Deklarationsformular sehr gewichtig unterschrieben. Das war es dann aber noch nicht. Aus einem anderen Teil der Uniform wird dann genauso schwungvoll ein Stempel samt Stempelkissen hervor geholt und da s Formular sorgfältigst gestempelt. Trotzdem muss eine abschliessende Überprüfung nicht völlig zufriedenstellend ausgefallen sein. Es erfolgte eine weitere Abstemplung, dieses Mal auf der Rückseite. Normalerweise hätte ich dieses Formular schon längst in die Tonne geworfen, jetzt hängen bleibende Erinnerungen daran, und ich werde es vermutlich noch eine Weile aufbewahren. Irgendwann haben wir auch unsere Pässe wieder erhalten und fahrplanmäßig nach genau 99min haben dann den Bahnhof verlassen.

Kurz darauf erreichen wir den russischen Grenzbahnhof. Hier sind 110 min. Aufenthalt vorgesehen. Das wird auch auf die Minute genau eingehalten. Der Ablauf ist ähnlich, nicht ganz so inzeniert, dafür gründlicher und knochentrocken humorlos. Wieder Fiebermessen, Passabgabe und dann Zollkontrolle: Zunächst Befragung und Gepäckkontrolle, danach Abteil- und Waggonkontrolle. Irgendwann gibt es dann auch die Pässe zurück. Gegen 2 Uhr morgens setzt sich der Zug wieder in Bewegung.

Einfahrt nach Irkutsk

Entgegen meiner Erwartung habe ich so gar ein paar Stunden geschlafen. Als ich gegen 8.00h aufgewacht bin, hielten wir schon in Ulan Ude. Die Landschaft ist hier anders, mehr Wälder, mehr Flüsse und Berge und deutlich mehr Schnee liegt hier auch. Mehrere Stunden geht es entlang des zugefrorenen Baikalsees. Gelegentlich sieht man Leute beim Eisfischen. Um 15.00h sind wir in Irkutsk und werden schon vom Fahrer erwartet. Zum Hotel hat es keine 10 Minuten gedauert. Deshalb könnten wir noch im Hellen einen kleinen Rundgang durch die Stadt machen.

Morgen dazu mehr. Ausserdem werden wir dann zu unserem Trip an den Baikalsee abgeholt.

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